Um diesen viel und oftmals zu Unrecht benutzten Begriff näher einzugrenzen, versuche ich im Fogenden, die verschiedenen Ausprägungen von "Sexismus" näher zu beleuchten.
Es gibt nämlich ganz unterschiedliche Ausprägungen von Sexismus, aber jede Art geht von dem Grundgedanken aus, dass Männer und Frauen von Natur aus und von Geburt an grundlegend verschieden, bzw. unterschiedlich viel Wert sind.
Dass diese Einteilung von Menschen in "Frauen" und "Männer" (und nichts sonst) an sich schon eine Diskriminierung und eine Fehlinformation darstellt, werd ich an anderer Stelle nochmal näher ausführen.
Hier sind die verschiedene Formen von Sexismus, unterteilt in drei Kategorien, die sich natürlich überschneiden und ergänzen können:
I. Sexismus ersten Grades:
Die Ansicht, Aussage, oder die Darstellung, dass ein Geschlecht allgemein besser oder schlechter ist als das andere.z.B.: "Alle Männer sind Schweine", "Frauen sind Schlampen", "Frauen sind dafür zu dumm", "Männer sind zum Ausnutzen da" oder auch Abbildungen, die ein Geschlecht in diskreditierender und abwertender oder lächerlichen Form illustriert.
II. Sexismus zweiten Grades:
Die Festlegung der Geschlechter auf jeweils unterschiedliche Rollen, auf bestimmte (meistens gegensätzliche) Eigenschaften oder Aufgaben, Pflichten und Funktionen.z.B.: "Frauen sind das schöne, Männer das starke Geschlecht", "Ein Mann muss seine Familie ernähren", "Eine Frau sollte schlank/ gepflegt/ sexy sein", "Weinen ist unmännlich", "Frauen wollen dieses, Männer stehen auf jenes" usw.. In der Praxis stehen dafür z.B. die Pärchen bzw. Gegenstücke (starker, aggressiver) Footballspieler & (ausgelassenem, sexy aussehenden, den Mann toll dastehen lassenden) Cheerleader, Rapper & R'n'B-Chick, Breaker und Table-Dancerin, Pimp & Hoe, Rocker und Model-Freundin, Actionheld & zu rettende Ehefrau, Fotograf/Maler & Modell, etwas trotteliger, unreifer Comedy-Ehemann & vernünftige, die Zügel in der Hand haltende Comedy-Ehefrau usw. usf..
Es muss sich bei diesen Zuweisungen überhaupt nicht um negative Attribute handeln, es geht 1. um die unzulässige Verallgemeinerung und 2. um die Reduzierung und Beschneidung der Persönlichkeit und des Wesens von Frauen und Männern.
Diese Haltung wird gerne durch die als wissenschaftlich unumstößlicher Tatsache präsentierte Behauptung begründet, dass wir von unseren Anlagen her immernoch quasi Steinzeitmenschen sind oder genauer Mammut-Jäger und Samenstreuer vs. Muttertier und Höhlenhockerin und das also alles ganz "natürlich" und unausweichlich ist. Diese Begründungen bedienen zumeist aber nur populistische Thesen, blenden andere Faktoren oder mögliche Widersprüchlichkeiten aus oder tun sie als unbedeutend und marginal ab.
Diese Art von Sexismus ist wesentlich schwieriger zu entlarven, da er zunächst nicht offen abwertend oder destruktiv erscheint und im Mainstream als "normal" wahrgenommen wird, bzw. (mehr oder weniger bewusst) als sexy, bequem und Sicherheit vermittelnd.
III. Sexismus dritten Grades:
Die einseitige Darstellungen im gesamtgesellschaftlichen Kontext.Diese Sache ist subtiler, weil es hier um Darstellungen geht, die isoliert für sich betrachtet nichts negatives an sich haben, aber in der Masse der Darstellung deutlich einseitig und klischeemäßig ist.
Beispiel: Brothers Keepers machen einen Rap-Track mit Gesangseinlagen gegen Rassismus, Zitat: "...denn was wir reichen sind geballte Fäuste und keine Hände...", Sisters Keepers machen einen Gesangs-Stück mit Rap-Einlagen "...wir können etwas ändern, mit Liebe und Verstand" --harte Jungs vs. sanfte Mädchen, nicht sehr progressiv.
Oder "Mit Dir" --Freundeskreis feat. Joy; es geht um das "Erste Mal" eines Pärchens; Joy singt: "Ich will nichts tun, was ich später mal bereun werd...", Max singt: "Ich will nichts tun, was Du später mal bereun wirst..." --Mann will Sex, Frau sträubt sich vorerst, gibt am Ende aber doch nach-- *ächz*stöhn*gähn*
Nicht dass wir uns falsch verstehen --ich mag alle drei oben genannten Stücke sehr gern! Ich hab auch weder etwas gegen sanfte Frauen, noch gegen wehrhafte oder stürmische Männer, noch gegen Frauen, die länger warten bis sie Sex haben!
Aber dass diese und andere Rollenbilder so ermüdend oft und penetrant wiederholt werden und gegensätzliche Darstellungen eher spärlich besäht sind, finde ich persönlich ziemlich zum Kotzen.
Zu drittgradigem Sexismus gehört auch die Diskriminierung durch Nicht-Darstellung. Es lohnt sich, mal drauf zu achten, wo im TV (ob Doku oder Fiktion) in verschiedensten Situationen z.B. weit und breit keine Frau zu sehen ist!
Oder umgekehrt die Tatsache, dass auf Werbeplakaten und -Anzeigen oder auch vielen Kunstwerken und zahllosen Männer- und Frauenmagazinen immer nur --zumeist leichtbekleidete oder nackte, aber auf jeden Fall junge, schlanke, 'hübsche'-- Frauen zu sehen sind.
Mein Wunsch ist nicht, dass alle Menschen zu einer Art geschlechtsneutralem drögen Einheitsbrei verschmelzen. Es soll gerne weiter mackerige Jungs und tussige bzw. sich als Objekt der Begierde exhibitionierende Mädchen geben –solang selbstverständlich genauso viele mackerige Mädelz und tussige bzw. Schönheits-Objekt geeignete Jungs am Start sind und alles, was sonst noch so dazwischen liegt!
Persönliche Wahrnehmung
Oft kann mensch auch Sexismus erkennen, indem er einfach auf sein Gefühl hört. Wenn ich irgendeine Darstellung oder einen Text oder sonstwas höre, sehe oder lese, durch die oder den ich mich in meiner Existenz als AngehörigeR meines Geschlechts angegriffen, diffamiert oder beleidigt fühle, kann ich diese Darstellung als potentiell sexistisch betrachten.Beispiel: Wenn ich nachts die Telefonsex-Werbespots im Fernsehen sehe, fühl ich mich dadurch persönlich beleidigt --und zwar nicht in meinem Dasein als Veganerin, nicht in meiner Funktion als MC, nicht in meiner Existenz als Mensch, sondern --richtig: in meinem Dasein als Frau, das auf diesem Weg auf einen ekligen Entsafter für Männer reduziert wird.
Das gleiche gilt für einen Mann, der sich durch die Massen der drögen Action-Filme diskreditiert fühlt, da die Angehörigen seines Geschlechts und somit auch er als Mann in diesen durchweg als gewaltbereite, geile, sprücheklopfende Flachschädel hingestellt werden.
Das Ganze lässt sich übrigens auch 1:1 auf rassistische und heterosexistische Darstellungen und Ansichten übertragen.
Die Ursache dieses Unbehagens kann oft zunächst gar nicht benannt oder genau in Worte gefasst werden (besonders bei Kindern und Heranwachsenden so der Fall), aber das Gefühl ist normalerweise verlässlich.
Doch trotzdem ist kritische Selbstreflektion gefragt! Denn es kann auch leicht passieren, dass sich ein eigenes verdrängtes Negativ-Gefühl, z.B. Neid, Missgunst oder Eifersucht, unter der scheinbar politischen, ethischen oder sonstwie gearteten "gerechten" Ablehnung versteckt oder diese zumindest verstärkt!
Summa summarum: Alle Formen von Sexismus sind scheiße! Erstgradiger Sexismus ist natürlich drastischer als zweitgradiger oder drittgradiger, aber die Gefahr von letzteren besteht darin, dass sie gewissermaßen getarnt sind und viel unterschwelliger und somit eher auf das Unterbewusstsein wirken; sie lassen sich leichter verleugnen, da sie nicht so offensichtlich sind bzw. werden sie oft gar nicht als problematisch erkannt. Denn es gibt sicher viele Menschen, die sich in diesen vorgefassten Rollenbildern heimisch fühlen. Aber für die, die das nicht tun, sieht es schlecht aus –sie stehen vor der Wahl, sich entweder selbst zu verleugnen und soweit wie möglich nach außen hin anzupassen oder sich zu verstecken oder sie stehen zu sich, haben dann aber mit Repressionen zu rechnen, im schlimmsten Fall kann es sie ihr Leben kosten.
Deswegen müssen auch harmlos erscheinende Geschlechterklischees hinterfragt, demontiert, unterwandert und angegriffen werden. Stand straight QUEER!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen